Tagebuch eines Stubentigers – 34

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Genugtuung

Es geschah im Herbst auf einer Wiese,
dass eine Raupe eine Blume erblickte.
Verliebt fragte die Raupe diese,
ob sie im Winter bei ihr wohnen könne.
Da antwortete lächelnd die Schöne,
das sich der Wunsch nicht erfüllen ließe,
weil es das nicht gibt,
dass eine Blume eine dicke Raupe liebt.

Als der nächste Frühling kam,
flog ein Schmetterling an die Blume heran.
Verzückt schickte sie ihm verliebte Blicke,
und sagte, dass sie ihn bei sich wohnen ließe.
Da sah der Falter ihre Blüte an,
und antwortete mit einem Lächeln dann,
dass es das nicht gibt,
dass ein Schmetterling eine verwelkte Blume liebt.


Denkmal

Manch einer träumt für sich ein Denkmal,
weil er glaubt, er sei unentbehrlich.
Dabei ist dieser Wunsch lebensgefährlich.
Es war ein Gockelhahn einmal,
der sich unersetzlich dachte,
weil er lauter als alle Hähne krähte,
bis man ihm den Kopf abhackte,
damit sein Gegacker ein Ende hätte.

Als er gerupft und gebraten war,
schmeckte er allen wunderbar,
dass man ihn auf einen Sockel
und darunter die Inschrift setzte,
wie sehr man sein Wirken schätzte:
<Hier steht ein großer Gockel,
den die Welt einst verehrte
für sein Fleisch, das sie verzehrte.>