Tagebuch eines Stubentigers – 31

Braten

Heute brate ich meine Erinnerungen,
mit denen ich mich quäle
und brenne sie mir mit Flammenzungen
aus der geschundenen Seele.

Lustvoll lasse ich sie im Ofen schmoren
um den Saft aus ihnen zu backen.
Verbrannt und schwarz gegoren
mache ich aus meinem Kummer einen Braten.

Den fertigen Klumpen, den ich noch beträufle
mit einer letzten Träne, lege ich auf einen Teller,
nenne das Mahl nach meiner Cinderella
und schicke es mit ihr für immer zum Teufel.

Vorbereitung

Als ich jung war,
stellte mir ein Freund die Frage,
welches Leben ich mir erträume.

Dass ich mich in die Welt wage,
um das Glück zu finden,
antwortete ich ihm.

Nach Jahren begegneten wir uns wieder.
Ob ich mein Glück gefunden habe,
fragte er mich sofort.

Dass ich immer noch keinen Tag versäume,
ihm zu begegnen,
gab ich ihm lachend zur Antwort.

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