Tagebuch eines Stubentigers – 29

Ungeheuer

Es gibt Tage, da schrillt das Telefon
und redet aus dem Mikrofon
einen auf die Frage <Wer ist dran?>
eine Stimme aus der Hölle an.

Ein alter Teufel, ein vergessener Spuk,
eine nie gelebte Rache oder ein ungesühnter Betrug
denkt, das Gras sei endlich hoch genug
gewachsen für einen neuen Versuch.

Es ist wie mit der Kreide auf der Tafel.
>Schwamm drüber>,  beginnt das Geschwafel,
bis man endlich sagt, man freue sich ungeheuer,
und dabei denkt <Auf das Wiedersehen mit dem Ungeheuer.>

Schon in alten Zeiten wusste man,
schlägt man einem Drachen den Kopf vom Hals,
wächst ihm bald ein neuer an,
was hieß, mancher Schrecken endet niemals.

Worte

Es lohne nicht mehr zu dichten,
hat mir ein Freund erklärt.
Die Welt mag lieber Bildgeschichten.

Da habe ich das Licht ausgemacht,
und ihn gefragt,
welche Geschichten er sehe.

Weil es nur mit Worten gelingt,
dass man Bilder sieht,
wenn einem schwarz vor Augen ist.

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