Tagebuch eines Stubentigers – 19

Maler

Mit dem ersten Wimpernschlag
malt uns die Zeit auf ein leeres Blatt
mit einem Stift,
der sich nicht radieren lässt.

In den Jahren wandeln wir uns als Bild
in Formen und Farben.
Aber noch aus hundert Schichten
spüren wir den ersten Strich.

In Träumen wähnen wir uns als Meisterwerk
mit dickem Öl gemalt für die Unendlichkeit
und finden uns in den Spiegeln
in blassen Skizzen wieder.

Erst wenn wir vergehen,
ahnen wir, was wir wirklich sind.
Ein flüchtiges Bild, das in den Staub gepinselt,
langsam in der Zeit zerrinnt.

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