Tagebuch eines Stubentigers – 22

Ruine

Wenn sie mich eines Tages begraben,
werden sie von mir sagen,
er war ein Mann, den haben
die Frauen zur Ruine abgetragen.

Sie tun es auf diese Weise,
dass ich nachts in den Himmel reise
um verliebt unter den Sternen ihnen
ein Schloss in den Wolken zu ersinnen.

Ich schaffe aus Nebel und Dunst
im Schweiße meines Angesichts
mit bloßen Händen aus dem Nichts
für sie diese sinnliche Kunst.

Dann wandle ich mit ihnen
Hand in Hand als meine Königinnen
in weiten, sternenlichten Räumen
und lasse sie in meinen Armen träumen.

Allenfalls schenken sie mir ein Jahr.
Dann schreiben sie in ihren Abschiedsbriefen,
es habe sie der Umstand vertrieben,
dass es nur ein Palast in den Wolken war.

So schufte ich ein Leben lang, den Frauen
ein Schloss in den Wolken zu bauen
mit der Arbeitskraft meiner Sinne,
und liebe mich an ihnen langsam zur Ruine.

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