
Weltherrschaft
Es wehte der Wind einen kleinen Wurm
hoch auf die Spitze von einem Turm.
Dort thronte er auf einem alten Wetterhahn
und blickte das Land unter sich als König an.
Stolz reckte der Wurm seine Brust
und traf, weil ihm die Welt zu Füßen liege,
den Beschluss, dass sich der Globus
nach seinem Willen drehen müsse.
Da pickte ihn ein Vogel mit dem Schnabel
von der Spitze des Aussichtsturmes
und beendete die kurze Fabel
von der Weltherrschaft des Wurmes.
Der alte Wetterhahn verzog keine Miene
über den Verlust des Wurmes
und drehte sich im Spiel der Winde
wieder alleine auf der Spitze des Turmes.
Die Geschichte ist als Warnung gedacht
für jeden Wicht , den der Wind an die Spitze weht.
Bei aller Macht kommt auch für ihn der Tag,
an dem kein Hahn mehr nach ihm kräht.
Gezeiten
<Geht es dir gut?>,
fragte die Welle den Strand.
<Mal ist Ebbe. Mal kommt Flut.>,
antwortete der Strand.
<Wie spät ist es?>,
fragte die Zeit die Uhr.
<Mal ist es still. Mal tickt es.>,
antwortete die Uhr.
<Wohin verweht es mich?>,
fragte die Wolke den Wind.
<Mal geht es nördlich. Mal bläst es südlich.>,
antwortete der Wind.
<Begegnen wir uns wieder?>,
fragte ich die Liebe.
<Mal bleibe ich. Mal gehe ich lieber.>,
antwortete die Liebe.
So sind im Leben die Gezeiten.
Sie wechseln beizeiten.
Mal hat man gute,
mal lebt man in schlechten Zeiten.
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