Die Geschichte von der Zuversicht

Es begann mit Nachrichten, die nichts Gutes verlauteten. Alle Fernsehkanäle zeigten die gleichen Bilder.
Soldaten, die in endlosen Kolonnen marschierten. Flugzeuge und Panzer, die Tod und Verderben mit sich führten.
Gesichter verzweifelter Menschen, die inmitten zerstörter Häuser und brennender Autos, aus ihren Dörfern und Städten vertrieben wurden.  
Frauen, die um ihre gefallenen Männer trauerten. Mütter, die ihre toten Söhne beweinten. Kinder, die ihre Väter vermissten.
Es herrschte wieder Krieg. Die Flugzeuge und Panzer luden ihre tödliche Fracht über die Städte und Dörfer ab.
Die ausgebrannten Ruinen der Häuser und Fabriken, die ihr Zerstörungswerk zurückließ, ragten als graue Skelette aus der Landschaft.
Tag und Nacht erfüllte der Lärm der explodierenden Bomben und Granaten die Luft. Trotzdem fühlte sich die Welt stiller und leerer an als vorher. Sie war in den Bann eines todbringenden Schreckens geraten.
Die Menschen hatten aufgehört, zu lachen und zu feiern. Sie zogen feldgraue Uniformen an und trugen ernste Gesichter zur Schau.
Wenn sie aus dem Haus gingen, nahmen sie ihre Gewehre mit. Sie blickten misstrauisch zum Himmel hoch, aus dem der Feind seine Bomben auf sie warf.
Einzig die Tiere auf der Welt schienen sich von den Ereignissen nicht beeindrucken zu lassen. Sie lebten unbekümmert in den Tag, wie sie es seit ewigen Zeiten taten.
Als ein Mädchen aus dem Fenster blickte, bemerkte es zwei Schmetterlinge auf der Wiese vor dem Haus, die aufgeregt von einer Blüte zur nächsten flogen.
Das Treiben der bunten Falter stellte das Mädchen vor ein Rätsel.
„Warum fürchten sich die Schmetterlinge nicht?“, fragte sie ihre Mutter.
Ihre eigene Angst wurde mit jedem Tag größer, an dem der Krieg über die Bildschirme der Fernsehapparate flimmerte. Es war eine Angst, die nicht aufhören wollte zu wachsen, weil der Bombenhagel, der aus dem Himmel fiel und die Städte in Schutt und Asche legte, mit jedem Tag näher rückte.
Die Mutter strich ihrer Tochter die Tränen aus den Wangen.
„Die Zuversicht der Tiere ist größer als ihre Angst.“, sagte sie.
Das Mädchen dachte lange über die Worte ihrer Mutter nach.
Die Tiere waren ihrem Schicksal wehrlos ausgeliefert. Es gab keine Krankenhäuser und Supermärkte für sie. Ihre Kinder besuchten keine Kindergärten und Schulen.
Sie besaßen kein Dach über dem Kopf, das ihnen einen sicheren Unterschlupf bot, wenn ein Sturm durch das Land blies.
Sie hatten keinen Ofen, um sich an kalten Tagen zu wärmen. Nirgendwo stand ein Bett für sie, in dem sie nachts schlafen konnten.
Die Tiere verbrachten ihr ganzes Leben unter freiem Himmel.
Sie schwammen in den Flüssen. Sie strichen durch die Wiesen und Felder. Wenn es donnerte und blitzte, hockten sie in den Ästen der Bäume oder suchten Schutz in winzigen Höhlen.
Ihre Zuversicht half ihnen, allen Gefahren zu trotzen. Keine der Bedrohungen, denen sie ausgesetzt waren, konnte ihre Lebensfreude brechen.
Jeden Morgen flatterten die Schmetterlinge unbekümmert zu den  Blumen hoch, ohne sich nach den Vögeln umzusehen, die in den Bäumen darauf lauerten, sie von den Blüten zu picken.
Die Fische im nahen Fluss folgten der Strömung, ohne sich davor zu fürchten, im Netz eines Fischers zu enden. Und die Hasen in der Wiese verschwendeten keinen Gedanken an den Fuchs, der ihnen im Nacken saßen.
Die Tiere vertrauten dem nächsten Augenblick, dass er sie vor dem Schlimmsten bewahrte. Ihre Zuversicht gab ihnen recht.
Nicht jeder Schmetterling hauchte sein Leben im Schnabel eines Vogels aus. Nicht alle Fische wurden mit Netzen aus dem Wasser gezogen. Und die meisten Hasen entkamen dem Hunger der Füchse.
Das Mädchen lächelte. Die Angst in ihrem Kopf war wie weggeblasen.
Wenn sich die Tiere vor ihrer Zukunft nicht fürchteten, musste sie es auch nicht tun.
Eine nie gefühlte Gewissheit durchströmte sie und malte ihr das Leben in den schönsten Farben.
Sie schmiegte sich an den Schoß ihrer Mutter und fasste neuen Mut. Das Grauen des Krieges konnte ihr nichts mehr anhaben.
Eines Tages würde sein Schrecken ein Ende finden und die Menschen auf der Welt wieder in Frieden leben können. Bis dahin musste sie nichts weiter tun, als sich dem nächsten Augenblick anzuvertrauen, wie es die Tiere taten.
Sie fühlte, wie ihre Zuversicht einen unsichtbaren Schild über ihre Seele spannte, der sie vor allen Gefahren schützte.
Als sie ihre Arme ausbreitete, verwandelten sie sich in die Flügel eines Schmetterlings, mit denen sie federleicht in der Luft tanzte. Ihre Beine zuckten wie die Schwanzflossen eines Fisches, der schwerelos durch die Wellen tauchte.
Und in ihrer Brust schlug das tapfere Herz eines Hasen, der dem hungrigen Jäger in seinem Rücken einen Haken schlug und im Licht der aufgehenden Sonne hoffnungsvoll einem neuen Tag entgegen sprang.

The story of confidence (English Version)

It began with news that did not bode well. All television stations showed the same pictures.
Soldiers moved in endless convoys. Airplanes in the sky and tanks on the streets brought death and destruction.
The news showed the faces of desperate people, who has been displaced from their homes with destroyed houses and burning cars in the background.    
Women mourned their fallen husbands. Mothers cried for their dead sons. Children missed their fathers.
War had broken out again in the world.
The planes and tanks rained death down on the towns and villages. After the finished their destructive work, the charred ruins of houses and factories stood in the landscace like grey skeletons.
The sound of exploding bombs filled the air and never stopped at all. But the world felt quieter and emptier than before. It had fallen under the spell of a deadly terror.
People stopped laughing or celebrating. They put on field grey uniforms and wore serious expressions in their faces.
When they left the house, they took their rifles with them. They looked suspiciously up at the sky from where the enemy was dropping bombs on them.
The animals seemed to be the only ones unfazed by the terrible news. They lived without all worries, as they had done since the beginning of time.
As she looked out of the window, a girl saw two butterflies flying excitedly from one flower to other in the garden in front of the house. The girl was puzzled by the behaviour of the butterflies.
‚Why aren’t the butterflys afraid?‘, she asked her mother.
Her fear grew with every day she saw the war on the  television screens.
It was an ever-growing fear, because the hail of bombs falling from the sky and destroying the cities to rubble and ashes, was getting closer to her all the time.
The mother wiped the tears from her daughter’s eyes.
‚The confidence of animals is stronger than their fear.‘, she said.
The girl thought long and hard about her mother’s words.
The animals were at the mercy of their fate.
There were no hospitals or supermarkets for them. Their children did not have schools. They had no roof over their headsto keep them shelter, when a storm swept across the land. 
They had no stove to keep themselves warm on cold days. 
There was nowhere a room with a bed for them to sleep at night.
The animals lived their whole lives outdoors.
They swam in the rivers. They wandered through meadows and fields. When thunder and lightning appeared in the sky, they crouched in the branches of trees or huddeld together in small caves, shivering with cold.
Trust in her fate gave them the courage to face all dangers.
No threat could dampen their joy of life.
Every morning, the butterflies fluttered among the flower without a fear of the birds lurking in the trees with their sharp beaks, to pick them from the blossoms.  The fish swam in the river without worrying about pulled out of the water and met their death in a fisherman’s net. The rabbits in the meadows paid no attention to the foxes
that hunted them in the fields.
The animals trusted their instinct, that he would save them in the right moment. Their confidence was justified.
Not all butterflies died in the beak of a bird.  Not all fish are pulled out of the water. And the most rabbits escaped the hunger of the fo.
The girl got a smile in her face. The fear in her mind was gone.
If the animals weren’t scared of the future,then she didn’t have to be either.
A certainty she had never felt before flowed through her and painted her life in beautiful colours.
She pressed her close to her mother and found new courage.
The horror of war no longer frightened her. One day, his terror would end and people of the world would live in peace again.
All she had to do, was trust in the next moment just as the animals in the meadows and fields did.
The confidence in her heart would be the invisible shields against all threats.
When she spread her arms, they transformed into the wings of a butterfly and danced feather-light in the air. Her legs turned into the tail fins of a fish  diving weightlessly through the waves. Deep in her chest beats the brave heart of a rabbit, that dodged the hungry fox behind it and jumping out of troubles at last in the  blazing light of the rising sun.

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