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Die Reise des Fräulein „So-La-La“

Mit der Geschmeidigkeit einer Katze schlüpfte sie unter das Bett. Ein dicke Staubwolke nahm ihr die Sicht.
Im Blindflug  robbte sie vorwärts, bis sie mit der Nase gegen ein Hindernis prallte.

Geistesgegenwärtig packte sie zu. Von Kopf bis Fuß in eine graue Staubpanier eingehüllt, kroch sie auf der anderen Seite wieder unter dem Bett hervor. Triumphierend schwenkte sie den  knorrigen Besen über ihren Kopf. 

Sie zweifelte keine Sekunde daran, das Beweisstück über die wahre Natur der Großmutter in Händen zu halten.
Im Übermut erlag sie einer wahnwitzigen Idee.  Die Versuchung war einfach zu groß.
Mit einem Satz schwang sie sich auf das Bett. Sie nahm den Besen zwischen ihre Beine und segelte über die Bettkante.  

Es war dem dicken Teppich auf dem Fußboden verdanken, dass der heftige Aufprall, mit dem der Flug endete, ohne Folgen  blieb.
Kleinlaut übergab sie den Besen seiner rechtmäßigen Besitzerin.

„Es ist  Zeit, das knorrige  Ding  in den Ofen zu stecken, bevor  ein übermütiges Mädchen auf die Idee kommt,  mit ihm aus dem Fenster zu fliegen.“,  lachte die Großmutter, während sie den ungebetenen Gast aus ihrer Kammer scheuchte.

Mit gesenktem Kopf trat das Fräulein „So-La-La“ in den Flur. Die blauen Flecken am Rücken würden sie nicht vor einer Strafe schützen, befürchtete sie.
Zu ihrem Glück plagten die Großmutter andere Sorgen.  In aller Eile begann sie, die Reste der gestohlenen Zeitung im Küchenofen zu entsorgen.

Sollte die Nachbarin ihr die Polizei an den Hals hetzen,  würde ihnen das  Opfer einer schändlichen Verleumdung die Tür öffnen.

Allerdings benötigte sie  für ihr Alibi die Verschwiegenheit des Fräulein „So-La-La“. 
Da passte es nicht ins Bild, der Bruchpilotin eine Strafe  aufzubrummen. Verheulte Mädchen plapperten allzu leicht die Wahrheit aus.

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