
Jenseitspost
Eine alte Liebe meldete sich in Briefen,
die in ihren Sätzen klangen,
als seien sie aus dem Jenseits geschrieben.
Vergeblich flehte ich um klärende Worte,
ob sie einen neuen Himmel fand
oder mit ihrem alten Teufel in der Hölle schmorte.
Sie schwieg, als bemerkte sie längst,
wie sie sich vor dem Spiegel langsam
verwandelte in ein blasses Gespenst.
Vielleicht sieht uns das Schicksal vereint,
schrieb ich ihr ein letztes Mal,
wenn sie mir nachts als Geist erscheint.
Das Grün
Ich erinnere mich an den Tag,
als ich es in der Ferne sah.
Verführerisch glänzte es im Morgentau.
In Eile gab ich mein Lager auf.
Die Sonne brannte am Horizont
mit Flammenzungen den Himmel rot,
als ich ging zum Grün
auf der anderen Seite des Tales.
Ich schwamm mit einem kalten Fisch
am Grund eines dunklen Ozeans,
segelte in den Sommerwinden
auf Elfenschwingen im Wolkenmeer
und strandete an einer sanften Seele
zurück auf festes Land,
als ich ging zum Grün
auf der anderen Seite des Tales.
Immer brach ein neuer Morgen an,
und schwang im Wind
eine Melodie aus Lachen und Tränen,
die meine Sehnsucht weitertrieb.
Gesichter verblassten in Nebelwänden,
Namen verhallten an steilen Hängen,
als ich ging zum Grün
auf der anderen Seite des Tales.
Es wehte mich von Süd nach Nord.
Ich trieb von Ost nach West
und sah es immer am gleichen Ort.
Zum Greifen nah und unendlich fern
blickte es mich im Spiegel an,
als reiste ich zu mir selbst,
als ich ging zum Grün
auf der anderen Seite des Tales.
Frauenzimmer
Jede Nacht wandert meine Seele
in einem verschwiegenen Traum
von einem lustvollen Verlangen getrieben
durch einen geheimnisvollen Raum.
Wenn sie im Kerzenschimmer
auf Zehenspitzen zwischen den Möbeln wandelt,
flüstert mir eine Stimme ins Ohr,
dass es sich um ein Frauenzimmer handelt.
