
Am Anfang herrschte Finsternis. Dann erschuf Gott das Licht und die Welt.
Als er die Vollkommenheit seiner Schöpfung sah, machte er sie den Menschen zum Geschenk. Da sprang der Teufel wütend aus den Wolken und gesellte sich zu ihm.
Missgünstig betrachtete er den Garten Eden, in dem das Leben der Menschen von Harmonie und Frieden bestimmt war. Der Teufel fand keinen Gefallen, an dem Paradies, das Gott auf der Erde erschaffen hatte. Als Fürst der Hölle träumte er von einem von Krieg und Elend beherrschten Reich, in dem das Schicksal der Menschen von seinem Willen bestimmt wurde.
Das Werk Gottes gefährdete sein finsteres Handwerk, denn Streit und Zwietracht fanden darin keinen Platz. Listig begann der Teufel einen Plan zu schmieden, um seine böse Saat unbemerkt in die Welt zu säen.
Nie habe er mit eigenen Augen etwas Herrlicheres betrachtet als die Schönheit der Welt, umgarnte der Teufel Gott mit Schmeicheleien. Zu seiner Vollendung bitte er darum, einen Teil dazu beitragen zu dürfen.
Verwundert blickte Gott den Teufel an. Die Vollkommenheit des Paradieses war offensichtlich. Es war nicht der geringste Makel an ihm, der seine Pracht trübte. Der Teufel stimmte ihm zum Schein zu und pries den Garten Eden in den schönsten Farben.
Seine Lobrede endete mit dem Zweifel, ob die Menschen in ihren Handlungen dem Geschenk auch gerecht werden.
Tatsächlich musste Gott eingestehen, dass ihm dieser Gedanke nicht gekommen war. Die Ehrfurcht, die jeden erfasste, der die Schönheit des Paradieses mit eigenen Augen erblickte, hatte ihn nicht daran denken lassen, dass die Menschen es in einen düsteren Ort verwandeln könnten.
Der Teufel lächelte und beugte untertänig sein Haupt. Dann zog er eine kleine Maschine aus seinem Umhang. Sie war aus purem Gold gefertigt.
Demütig präsentierte der Teufel den funkelnden Apparat, den er Gott großzügig als Zeichen seiner ehrbaren Absichten anbot. Er habe mit seinen Händen ein Rechenrad geschmiedet, um der Welt einen Preis zu geben, sagte er.
Misstrauisch beäugte Gott den seltsamen Mechanismus, der sich im Zusammenspiel abertausender kleiner Zahnräder drehte.
Bevor er den Apparat genauer in Augenschein nehmen konnte, ließ ihn der Teufel wieder in seinem Umhang verschwinden. Mit der Miene eines von tiefer Sorge erfüllten Wohltäters schilderte er die Vorzüge des Rechenrades als seinen Beitrag, der die Schönheit der Welt für ewige Zeiten bewahrte.
Wenn die Menschen den Wert der Welt kannten, würden sie darauf achten und sorgsam mit ihr umgehen, prophezeite er.
Der Teufel verstand es, mit Worten zu verführen. Glaubhaft trug er sein Ansinnen vor. Am Ende ließ sich Gott von den guten Absichten des Teufels überzeugen. Er erteilte ihm die Erlaubnis, allen Dingen einen Preis zu geben.
So kamen mit dem Rechenrad des Teufels die Zahlen in die Welt und mit ihnen Neid, Missgunst und Gier.
Als Gott das hinterhältige Spiel durchschaute, war es zu spät. Einmal in Bewegung gesetzt, spuckte das Rechenrad unentwegt Zahlen aus. Fortan bestimmten sie den Lauf der Dinge. Ein unstillbarer Hunger nach Macht und Besitz ergriff die Menschen und begann seine blutige Spur durch die Geschichte zu ziehen.
Gott konnte das Unglück, das der Teufel mit seinem Rechenrad in die Welt gebracht hatte, nicht mehr rückgängig machen. Er konnte es nur mildern, in dem er die Zahlen kleiner werden ließ, wenn sich die Menschen gegen sie verbündeten. Bei zwei, die sich gegen sie stellten, büßten sie die Hälfte ihrer Größe ein. Bei drei schrumpften sie auf ein Drittel. Bei vier gingen sie auf ein Viertel zurück. Und immer weiter fort, bis sie ihre Macht verloren.
Seither gibt es das Teilen in der Welt. Es ist der Trost Gottes für die Menschen, dass ihr der Teufel einen Preis gegeben hat.
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