Tagebuch eines Stubentigers – 32

Mechaniker

An manchen Tagen bilde ich mir ein
für die Damenwelt in der Liebe
bloß der Mechaniker zu sein,
der ihnen putzt Auspuff, Motor und Getriebe.

Mit einer traurigen Geschichte
parken sie ihre Havarie bei mir im Wohnzimmer ein
und verführen mich bei einem Glas Wein,
dass ich ihnen die Delle richte.

Ich verwöhne sie mit Charme und Harmonie
und klopfe ihnen die Beulen aus der Karosserie.
Nachts öffne ich zärtlich ihre Haube,
prüfe den Ölstand und jede Schraube.

Nichts entgeht meinem wachsamen Auge.
Lenkung, Bremse, Kupplung und das Leder ihrer Sitze,
ich hämmere, bohre, schraube
und poliere ihren Lack bis in die kleinste Ritze.

Doch verraten mir ihre Blicke.
Ich bin bloß der Mechaniker in der Liebe.
Es ist nicht anders als beim Friseur.
Er macht ihnen auch nur die Frisur.

So flüchten sich die Damen nach der Reparatur
zurück zu ihrem alten Charmeur.
Wie alle Fahrgewerke mögen sie den Reparateur,
aber noch mehr lieben sie den Chauffeur.


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