
Werkzeug
Wer sich heute vor der KI fürchtet,
wäre in der Steinzeit vor Schreck erstarrt
beim Anblick eines Faustkeiles.
Sein Nutzen für die Menschheit steht
trotzt der gefährlichen Nebenwirkungen
bis heute außer Frage.
Was die Erkenntnis bringt,
dass ein Werkzeug Angst erzeugt,
wenn man es nicht versteht.
Schreckensnachricht
An manchen Tagen öffnet sich
der Blick durch eine unsichtbare Wand,
und man erkennt für einen Augenblick
den Schrecken in den Gesichtern der anderen.
Man sieht die in endlosen Strömen
geweinten Tränen auf ihren Wangen
wie heißes Öl brennen
in einem unlöschbaren Flammenmeer.
Fassungslos blickt man das Geschehen an,
bis sich die unsichtbare Wand schließt
und man nicht mehr sieht
den Schmerz in den Gesichtern der anderen.
Widerspruch
Ich bin nicht einverstanden.
Nicht einverstanden mit Schweigen,
wenn es Worte braucht.
Nicht einverstanden mit Worten,
wenn es Lügen sind.
Ich bin nicht einverstanden.
Nicht einverstanden mit Stillhalten,
wenn es Taten braucht.
Nicht einverstanden mit Taten,
wenn es Untaten sind.
Ich bin nicht einverstanden.
Nicht einverstanden mit Hass,
wenn es Liebe braucht.
Nicht einverstanden mit Liebe,
wenn sie zur Qual wird.
Ich bin nicht einverstanden.
Nicht einverstanden mit Missstand,
wenn es Widerstand braucht.
Nicht einverstanden mit Widerstand,
wenn er zu Unverständnis wird.
Ich bin nicht einverstanden.
Nicht einverstanden mit Krieg,
wenn es Frieden braucht.
Nicht einverstanden mit Frieden,
wenn er Unterwerfung bedeutet.
Kreditgeschäft
Jede Tragödie führt uns vor Augen,
dass Glück kein Vermögen ist,
das man im Eigentum besitzt,
sondern ein Kreditgeschäft auf Zeit,
für das wir Zinsen zahlen
mit bitter geweinten Tränen.
Wir bürgen für dieses Geschäft
mit dem Leben als Sicherheit,
und niemand kennt den Preis,
für den es uns das Schicksal
ohne Gewährung einer Stundung
zur Zahlung fällig stellt.
Eifersucht
Mordlüstern kämpfe in zerstrittenen Nächten
gegen einen unsichtbaren Rivalen
mit Schwert und Axt um einen Kuss von ihr.
Mit einem scharfen Schnitt schlage ich
ihm das verhasste Haupt vom Hals
dass er ausblutet vor mir im Staub.
Ich sehe die Tränen in ihrem Gesicht,
wenn ich ihr den blutigen Drachenschädel
mit meinem Herz zu Füßen lege.
Vom Kampf erschöpft falle ich in den Schlaf,
bis meine Hände im Morgengrauen
zwischen zerfetzten Daunen ins Leere greifen.
Brüllend erwacht der unsterbliche Drache
in mir zu neuem Leben und fordert mich
in den geschlachteten Kissen wieder zum Duell.