Das Zirkuskind – 26

Wie das Fräulein „So-La-La“ das Herz ihrer Großmutter wiederfindet


In den Tagen nach dem Tod der Großmutter fühlte sich für das Fräulein „So-La-La“  die Welt an, als wäre sie gleichzeitig von einem Erdbeben und einem Orkan verwüstet worden.  
Aus ihr war ein einsamer Ort geworden. Jede Tür führte in einen verlassenen Raum. Jeder Blick endete an einem verwaisten Platz.

Die Leere  breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Sie lachte aus den gerahmten Fotografien, die  an den Wänden hingen. Sie kauerte auf dem Stuhl in der Küche. Sie winkte aus dem Ledersessel im Wohnzimmer. Sie verfing sich an den Kleidern in den Schränken. Sie wühlte sich durch die Wäsche in den Schubladen. Sie schlief in den kalten  Bettlaken.  

Aus allen Dingen strömte die gleiche Traurigkeit. Als wüssten sie um die Vorbereitungen für ihre letzte Zusammenkunft,  bevor ein ungewisses Schicksal sie für immer zerstreute. 

Am Abend nach dem Begräbnis von Oma Rosa träumte das Fräulein „So-La-La“ von einem riesigen Ozean, der an seiner tiefsten Stelle leck schlug. Auf seiner Oberfläche bildete sich ein gewaltiger Sog, der alles ins Verderben stürzte.  

An seinem Rand versuchten die Wellen vergeblich, sich im Wind zu halten, bevor sie in einen bodenlosen Abgrund hinunter stürzten. Eine glitzernde Woge  kämpfte bis zuletzt gegen den Schlund, der sich unter ihr auftat.

Mit der Hingabe einer traurigen Tänzerin warf sie sich dem Himmel entgegen. Noch in der Luft zerplatzte sie in abertausende winzige Tropfen. Dann riss auch sie der Sog mit in  die Tiefe.   

n dieser Stelle fuhr das Fräulein „So-La-La“ aus dem Schlaf.   

Im Raum herrschte eine gespenstische Ruhe, als würde kein Herz mehr auf der Erde schlagen.  Dabei war nur  ein einziges verstummt.

Mit der Zunge schleckte das Fräulein „So-La-La“  das Rinnsal fort, das sie auf der Lippe kitzelte. Es schmeckte salzig wie der letzte Tropfen eines verschwundenen Ozeans.

Auf der Flucht vor der Leere, die sie durch die Tage verfolgte, flüchtete sich das Fräulein „So-La-La“ in ihr Versteck unter dem Küchentisch.

Einmal passte sie nicht auf und stieß mit dem Kopf gegen die Tischplatte.

Der pochende Schmerz rief ihr ins Bewusstsein, wie sehr sich ihr Leben seit dem Tod ihrer Großmutter verändert hatte.

Sie war kein Mädchen mehr, das aufrecht unter dem Küchentisch stehen konnte, ohne sich den Kopf  anzustoßen.

Noch mehr als die Beule schmerzte sie der Gedanke,  erwachsen zu sein, bevor sie den Ort gefunden hatte, an dem das Herz der Großmutter weiter schlug.

Mit den übrigen Habseligkeiten war auch ihre schwarze Hornbrille in der Wohnung zurückgeblieben. Ohne die dicken Gläser auf ihrer Nase sah Oma Rosa die Hand vor Augen nicht. 

„Wie soll sie mich wiedererkennen, wenn aus mir eine dicke Eiche geworden ist?“,  ängstigte sie sich.

In ihrem Versteck hoffte sie, von der Zeit vergessen zu werden. Sie wollte ihrer Mutter nicht mehr über den Kopf wachsen. Sie wollte für immer ein kleines Mädchen bleiben, dass von der Großmutter in ihre Arme geschlossen wurde, wenn sie sich eines Tages wieder begegneten.

Irgendwann übermannte sie der Schlaf und erlöste sie von ihrem Kummer.

ls das Fräulein „So-La-La“  die Augen öffnete, war sie nicht allein. Schlaftrunken glaubte sie in dem Schatten, der sich auf sie zubewegte, den hinkenden Zwerg,  der in den Uhren hauste, zu erkennen.
Sie wusste um seine Gefährlichkeit. Sein unbarmherziges Ticken  hatte ihr die Großmutter genommen. Nun war er gekommen, um sein nächstes Opfer zu holen.

Tick-Tack, Tick-Tack schleppte er sich heran.
Tick-Tack, Tick-Tack zog er auf gleiche Höhe.
Tick-Tack, Tick-Tack eilte er uneinholbar voraus.

In blinder Raserei hieb sie auf den Eindringling ein.  Sie schlug ihn mit Fäusten. Sie trat ihn mit den Beinen. Sie kratzte ihn mit ihren Fingernägeln. Sie biss ihn mit den Zähnen.

Erst der ohrenbetäubende Lärm, mit dem der Geduldsfaden der Mutter riss, brachte sie zur Besinnung.    
Entsetzt über die blutige Spur, die sie im Gesicht der Mutter hinterlassen hatte,  kroch das Fräulein „So-La-La“ unter dem Küchentisch hervor.

Während die Mutter ins Badezimmer eilte, um sich das Blut aus den zerfleischten  Wangen zu waschen, blieb das Fräulein „So-La-La“ als schluchzendes Elend zurück. 
Mit bangem Herzen harrte sie ihrem Strafgericht entgegen. Wohlerzogene Töchter setzten ihren Müttern nicht die Zähne ins Fleisch. Noch weniger rissen sie ihnen  die Haare büschelweise vom Kopf. Und ganz und gar nicht kratzten sie ihnen das Gesicht blutig.

Das Klappern der Schuhabsätze auf dem Boden ließ das Fräulein „So-La-La“ zusammenzucken.
Ängstlich blickte sie zu der Tür hoch. Die Mutter lächelte sie mit ihrem zerkratzten Gesicht versöhnlich an.  

„Sie fehlt mir nicht weniger als dir.“, sagte sie.

ögerlich streckte ihr das Fräulein „So-La-La“ die Arme entgegen.

„Es tut mir lied.“, schluchzte sie. 

Die Hand, die sie umfasste und auf den Stuhl hoch zog, fühlte  sich warm und vertraut an.  

Bei einer Tasse Schokolade saßen sie am Küchentisch einander gegenüber und schwiegen. Die Mutter kramte in ihrer Tasche. Sie zog eine alte Schwarzweißfotografie heraus und legte sie auf den Tisch.    

Das Fräulein „So-La-La“ drehte den Kopf zur Seite. Die Mutter nahm das Bild und hielt es ihr unter die Nase. Die Großmutter war in ihren jungen Jahren keine knorrige Eiche gewesen. Auf dem Bild lächelte eine junge Frau mit glatten Wangen einer fernen Zukunft entgegen, die inzwischen Vergangenheit geworden war.

„Sieh dir das Gesicht an.“,  forderte die Mutter sie auf.
„Es wird dir helfen, dich deiner Aufgabe zu stellen.“ 

Das Fräulein „So-La-La“  stutzte.   

„Weclhe Aufgbae?“,  stotterte der verrückte Clown in ihrem Mund.

Die Mutter hielt das Foto der Großmutter neben ihr Gesicht. Die Ähnlichkeit zwischen ihnen war unübersehbar.

„Im gleichen Maß wird dein Gesicht eines Tages  an mich erinnern.“, erklärte die Mutter. „Das Bild liefert den Beweis, dass niemand aus der Welt verschwindet, solange er jemanden darin zurücklässt.“

Der Zeigefinger des Fräulein „So-La-La“ zuckte nervös. Die Mutter kam ihr zuvor. Sie packte den Zeigefinger und führte ihn an ihr eigenes Herz.

„Ich bin, weil deine Großmutter vor mir gewesen ist.“, erklärte sie.    

ngstlich blickte sie zu der Tür hoch. Die Mutter lächelte sie mit ihrem zerkratzten Gesicht versöhnlich an.  
„Sie fehlt mir nicht weniger als dir.“, sagte sie.
Zögerlich streckte ihr das Fräulein „So-La-La“ die Arme entgegen.
„Es tut mir lied.“, schluchzte sie. 

Die Hand, die sie umfasste und auf den Stuhl hoch zog, fühlte  sich warm und vertraut an.  

Bei einer Tasse Schokolade saßen sie am Küchentisch einander gegenüber und schwiegen. Die Mutter kramte in ihrer Tasche. Sie zog eine alte Schwarzweißfotografie heraus und legte sie auf den Tisch. Das Fräulein „So-La-La“ drehte den Kopf zur Seite. Die Mutter nahm das Bild und hielt es ihr unter die Nase. 

Die Großmutter war in ihren jungen Jahren keine knorrige Eiche gewesen. Auf dem Bild lächelte eine junge Frau mit glatten Wangen einer fernen Zukunft entgegen, die inzwischen Vergangenheit geworden war.

„Sieh dir das Gesicht an.“,  forderte die Mutter sie auf.
„Es wird dir helfen, dich deiner Aufgabe zu stellen.“ 

Das Fräulein „So-La-La“  stutzte.   

„Weclhe Aufgbae?“,  stotterte der verrückte Clown in ihrem Mund.

Die Mutter hielt das Foto der Großmutter neben ihr Gesicht. Die Ähnlichkeit zwischen ihnen war unübersehbar.

„Im gleichen Maß wird dein Gesicht eines Tages  an mich erinnern.“, erklärte die Mutter. „Das Bild liefert den Beweis, dass niemand aus der Welt verschwindet, solange er jemanden darin zurücklässt.“

er Zeigefinger des Fräulein „So-La-La“ zuckte nervös. Die Mutter kam ihr zuvor. Sie packte den Zeigefinger und führte ihn an ihr eigenes Herz.

„Ich bin, weil deine Großmutter vor mir gewesen ist.“, erklärte sie.    

Vor ihren Augen blitzten die Gesichter auf, die an dieser Kette durch die Jahrhunderte gegangen waren. Es waren alte und junge Gesichter. Alle Zeitalter spiegelten sich in ihnen. In einer endlosen Reihe zogen sie an ihr vorüber.

Nie blieb eine Lücke zwischen ihnen. Nie riss die Kette an einem Glied ab. Aufrecht marschierten die einen. Gebückt schlichen die anderen vorbei. Manche lachten. Andere trugen ernste Mienen zur Schau. Viele warfen Kusshände.

Am letzten Zipfel des Zuges entdeckte sie endlich das Gesicht, nach dem sie verzweifelt Ausschau hielt.  Es strahlte jung und lebendig, wie auf dem Bild in der Hand ihrer Mutter.

Ein wohliger Schauer durchzuckte das Fräulein „So-La-La“.  Stolz nahm sie die schier endlose Parade ab.

„Ich kann sie alle  sehen.“, jubelte sie.
„Oma Rosa spaziert mitten unter ihnen. Sie winkt mir zu.“

Der Kummer, der sie unter den Küchentisch getrieben hatte, war wie weggeblasen. Die Angst besaß keine Macht mehr über sie. Weder wuchsen ihr spitze Zähne, um zu beißen. Noch hatte sie scharfe Krallen, um zu kratzen.

Plötzlich funktionierte auch ihre Zunge einwandfrei. Jeder Buchstabe traf den richtigen Ton. Das S war auf seinem Platz, wo es gebraucht wurde. Nirgendwo hoffte man vergebens auf ein A. Das R rollte an die richtige Stelle. Und nie wieder verpasste ein U seinen Einsatz.

Es geschah, wie es die Großmutter vorhergesagt hatte.  Die Zunge hörte auf, ein übermütiger Clown zu sein,  wenn  die Zeit dafür reif war.

Vor Aufregung bemerkte das Fräulein  „So-La-La“ die Veränderung nicht.   
Nie hatte ihr Verstand besser funktioniert. Nie war ihr Blick klarer gewesen. 

Das Blut, das in ihren Adern floss, war älter als jedes Gemäuer.  
Es war älter als die Wehrburgen des Mittelalters. Noch älter als die Pyramiden in Ägypten.

Zum ersten Mal wusste sie um die Kraft des Herzens in ihrer Brust.  Es hatte lange vor den Glocken der Kirchtürme  zu schlagen begonnen. Und solange Menschen auf der Welt wandelten,  würde sein Klang  nicht mehr verstummen. Sie verstand, warum  die Großmutter keine Angst  hatte, als ihre Seele die Flügel ausbreitete.

Die Kette, die sie unauflöslich mit ihr verband, nahm dem Unausweichlichen seinen Schrecken. Der Tod konnte ihr nichts anhaben. Zu groß war die Übermacht, die ihm entgegenstand.  Zu weit reichten ihre Wurzeln zurück. Zu tief hatten sie sich eingegraben.

Freudestrahlend blickte das Fräulein  „So-La-La“  zu ihrer Mutter hoch. Auge in Auge erkannten sie einander. Sie waren zwei Glieder der gleichen Kette, die miteinander verbunden blieben bis ans Ende aller Tage.

Plötzlich wurde alles Schwere  leicht. Das Fräulein „So-La-La“  fühlte sich wie eine Feder, die im Wind einer hellen Sonne entgegen tanzte. Niemals zuvor  hatte  sich das Leben schöner angefühlt, als in diesem Augenblick. 

Die  Großmutter war nicht in einem dunklen Loch auf  dem Friedhof verschwunden. Ihr Herz schlug an einem anderen Ort weiter.

Wenn das Fräulein „So-La-La“ nachts die flache Hand auf ihre eigene Brust legte, hörte sie den vertrauten  Klang, den sie vermisst hatte.    

Das Herz der Großmutter schlug laut und deutlich mitten in ihr.

Zwischenspiel

Es dämmerte bereits. Der Morgen kündigte sich an. Die Geschichte, die an meiner Bettkante saß, blickte mich an.
„In einsamen Nächten spüre ich immer noch ihren Herzschlag in meiner Brust.“, sagte sie.

Ich nickte. Mir erging es nicht anders. Es waren Jahren vergangen, seit ich ihre Geschichte niedergeschrieben und in den Wind geworfen hatte. Vieles hatte ich inzwischen vergessen. Aber der Herzschlag von Oma Rosa blieb mir in all der Zeit ein treuer Begleiter. Sein vertrauter Klang übertönte nachts die Stille im Haus.

Die Töchter, denen ich die Geschichten erzählt hatte, waren fort. Und mit ihnen ihre Stimmen. Ihr Lachen und Weinen, das in Mauern widerhallte.  Das Geklapper ihrer Schritte. Das Geschrei im Badezimmer. Der Lärm, mit denen die Türen ins Schloss fielen.  Alles ruhte unwiederbringlich in den Wänden, die mich schweigend anstarrten.
Es fiel mir schwer, die Augen offen zu halten.

Die Geschichte erhob sich und ging zum Fenster. Der Wind hatte sein Schweigen beendet und spielte in den Vorhängen.  Das Ticken des Weckers hallte laut in meinen Ohren. Der hinkende Zwerg, der in den Uhren seine  Runden lief, machte unbarmherzig auf sich aufmerksam.

„Es ist Zeit für mich, die Sonne über dem Horizont am Himmel hochzuziehen.“, erinnerte mich mein nächtlicher Besuch, dass sie in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten war.

Mit der Traurigkeit, die jeden erfühlt, der allein zurückbleibt, blickte ich sie an.

„Werden wir uns wiedersehen?“, fragte ich.

„Es liegt an dir, mich zu finden.“, antwortete die Geschichte.

Sie schob die Vorhänge zur Seite und kletterte aus dem Fenster.  Für einen kurzen Augenblick schwebte sie mit der Leichtigkeit einer Feder in der Luft.

Ich fühlte mich zu müde, um aus dem Bett zu springen und sie festzuhalten. Der Wind, der sie davon trug, wehte von Ost nach West.

Am nächsten Morgen wachte ich allein in meinem Bett auf. Es war taghell im Schlafzimmer. Ich rieb mir verschlafen die Augen und blickte auf den Wecker. Es war beinahe Mittag. Mein knurrender Magen forderte ungeduldig seinen Tribut ein.

Die Erlebnisse der vergangenen Nacht verblassten zu einem fernen Traum. Erst als mein Blick auf die  Zeichenblätter fiel, die zerstreut am Rand des Bettes lagen, kam die Erinnerung zurück.  
Ich stieg aus dem Bett und sammelte sie auf. Aus jeder Zeichnung grinste mich ein melonengroßer Wasserkopf an.

„Geschichten brauchen viel Platz.“, dachte ich.

Ich klappte die Mappe zu und ging ans Fenster. Die kühle Morgenluft tat mir gut.

Die Straße vor dem Haus füllte sich mit Leben. 
Die Baumkronen bogen sich leicht. Der Wind strich sanft zwischen den belaubten Ästen hindurch.
Ein warmer Frühlingstag kündigte an. Die Sonne erhob sich strahlend am Horizont.

Mit zusammengekniffenen Augen glaubte ich das Seil zu erkennen, an dem das Fräulein „So-La-La“  sie über den Himmel zog.  Ich winkte ihr mit den Händen zu.

Der Gedanke an sie zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich musste nur aus dem Fenster blicken, um mich ihr nahe zu fühlen. Sie würde für immer die Augenweide meines Herzens bleiben.

Für eine Nacht lang war sie zu mir zurückgekehrt. Sie war durch das offene Fenster in mein Schlafzimmer gestiegen und hatte sich an meine Bettkante gesetzt, um mir das Gefühl zu geben, nicht allein auf der Welt sein.

Die Welt drehte sich im Kreis und alles mit ihr. Der Mond, der nachts wie eine Deckenlampe vom Himmel leuchtete. Der Wind, der um die Welt wehte und nach seiner Wolke suchte.

Der hinkende Zwerg, der in den Uhren hauste und mit einem leisen Tick-Tack um das Ziffernblatt kreiste. Die Maus, die der Katze, die ihr im Nacken saß, einen Haken schlug. Captain Feelgood, der mit seiner Mybody über die Weltmeere segelte. Die Ameise, die davon träumte, den Himmel zu berühren. Der Kieselstein, der sich nachts in einen Stern verwandelte.

Und mitten unter ihnen befand sich ein Mädchen, dessen größter Wunsch es war, eine Geschichte zu sein, die um die Welt reiste.

Sie war schmal wie eine Scheibe Brot war, wog weniger als ein Sack Hühnerfedern und konnte  aufrecht unter jedem Küchentisch stehen, ohne mit dem Kopf anzustoßen.

Als sie mich im Morgengrauen verließ, hatte sie mir die schönste ihrer Geschichten zurückgelassen, um mir die Freude zu schenken, die jedem Finden inne wohnt.

Ich spürte keine Angst, sie nie mehr wiederzusehen. Wenn der Wind zwei Seelen in verschiedene Richtungen auseinander weht, müssen sie nicht fürchten, sich für immer aus den Augen zu verlieren.  Denn in einer Welt, die sich im Kreis dreht, kommen sie einander dort wieder am nächsten, wo sie sich am entferntesten voneinander glauben. Daran vermag auch der Wind, der von Ost nach West weht,  nichts zu ändern.

Sie würde für immer die Augenweide meines Herzens bleiben, schoss es mir durch den Kopf, während ich die Sonne beobachtete, wie sie langsam über den Horizont am Himmel hochstieg.

Mit dieser Zuversicht wandte ich dem Fenster den Rücken zu.

Als ich die Schreibkammer betrat, schlug mir ein muffiger Geruch entgegen. Ich öffnete das Dachfenster und setzte mich an den Schreibtisch, der direkt darunter stand.
Mit den Füßen stieß ich gegen meine alte Aktentasche, in der sich das schwerste Gewicht der Welt verbarg.

Ein kurzer Tastendruck brachte den Computer zum Surren. Der Bildschirm leuchtete auf.  Ich legte die Finger auf die Tastatur.

Es blieb noch genug Zeit, bis der Abend dämmerte und es Zeit war, auf das Dach steigen, um die wichtigsten Schraubarbeiten der Welt zu erledigen.  

ENDE
 der Geschichte….

Epilog

„Das Ende ist kein wirkliches Ende. Es ist wie in allen Geschichten, die in den Büchern stehen. Man muss nur auf die erste Seite zurückblättern. Schon beginnt alles von neuem.“