Tagebuch eines Stubentigers – 82

Zirkusdirektor

Im größten Zirkus der Welt
lag der Direktor tot im Zirkuszelt,
dass man beschloss, mittels des Applauses
bei der nächsten Vorstellung zu bestimmen
den neuen Chef des Hauses.

Da trat ein Clown in die Mitte der Manege
und verkündete dem Publikum,
dass er sich zur Wahl stelle,
worauf man den Narren unter Gelächter
zum neuen Zirkusdirektor wählte.

Seither sitzt er im Zirkus der Welt an der Macht,
um dem Publikum vor Augen zu führen,
dass ein Clown, über den man sich zu Tränen lacht,
wenn man ihn zum Direktor wählt
ein Narrenhaus aus ihm macht.

Todesursache

Neben den Überresten einer Maus
lag zu Tode gemagert
in einem versperrten Keller
die Leiche von einem vermissten Kater.

Es hatte ihm das Herz gebrochen,
dass er die Maus auffraß,
mit der er eingeschlossen 
in einer Zelle gefangen saß.

Nachdem er sie ermordet hatte,
erfüllte ihn eine Traurigkeit,
dass er mit vollem Magen verhungert ist
an unstillbarer Einsamkeit.

Brösel

Manchmal blicke ich sie zärtlich an
und brösle dann unbedacht
mit meinen Gedanken,
dass sie mir Krach macht.

Ich lasse meine Brösel fallen,
erklärt sie pampig,
wie es mir in den Sinn komme,
und schimpft mich schlampig.

Andere würden ihren Haufen
an einem Platz machen
und nicht wie ich ihn zerbröseln
zwischen tausend Sachen.

Wütend eilt sie mir hinterher
mit Schaufel und Besen,
um meine Brösel
Wort für Wort aufzulesen.

Sie ahnt nicht,
dass sie mich bröseln lässt,
weil bei ihrem Anblick mein Kopf
sich wie ein Luftballon aufbläst.

Nicht auszudenken,
was mit mir geschehen würde,
wenn ich keine Brösel fallen ließe
und vor Liebe explodiere.