
Opfergang
Ein Feuer verbrannte das ganze Land.
Es fraß sich durch die Wiesen und Felder,
und kein Regen löschte den Brand.
Als Letzter bot der Flammenwand
ein knorriger Baum inmitten verbrannter Wälder
auf einer felsigen Anhöhe Widerstand.
„Wenn du meine Glut in dir wohnen lässt,
verschone ich dich von meiner tödlichen Kunst.“,
umgarnte ihn schmeichelnd die Feuersbrunst.
Da senkte der Baum schweigend sein Geäst,
und das Feuer kroch unter in seinem Holz
auf der Lauer nach seinem nächsten Höllenfest.
Aber als der Mond hoch zum Himmel stieg,
zündete der Baum in sich ein gewaltiges Flammenmeer,
bis von ihm nur noch die Asche übrig blieb.
Ein Vogel, der im Morgengrauen nach Käfern pickte,
fand in den kalten Überresten kein Glutnest mehr
und fragte, wie ein alter Baum das Feuer besiegte.
Da flüsterte ihm der Wind, der aus Westen wehte,
dass der Baum sich geopfert hätte,
um die Asche zu sein, in der die Glut erstickte.