Tagebuch eines Stubentigers – 51

Schmetterlingsflug

Der Kuss, den sie mir am Morgen schenkt,
lässt mir Flügel wachsen,
die mich bei jedem Schritt zum Schweben bringen.

Aus dem Blick, den sie mir zum Abschied zuwirft,
spannt sich das Seil in den Himmel,  
auf dem ich zwischen den Wolken tanze.

Und in ihren Armen, aus denen sie mich entlässt,
fühle ich das Netz auf meiner Haut, das mich fängt,
wenn ich zurück auf die Erde stürze.

Hahnengeschrei

Es krähte frühmorgens um vier
ein verliebter Hahn
um die Gunst einer Henne in seinem Revier.

Er flatterte wild mit den Flügel
und machte mit dem Krawall den Bauern wach,
dass es ihm an den Kragen ging.

Mittags kam er als Braten auf den Tisch,
den man mit Salat garnierte,
wofür die Henne erleichtert das Ei spendierte.