Eine teuflische Ostergeschichte

Der Teufel und ein Engel begegneten sich. Der Engel saß auf einer Wolke und blickte mit tränenüberströmten Augen auf die Welt hinunter.
„Warum bist du traurig?“, fragte der Teufel hinterlistig.
„Ich sehe einen Menschen sterben.“, antwortete der Engel.
Der Teufel warf einen hämischen Blick auf den Sterbenden, der auf der Erde in seinen letzten Atemzügen lag. Dann setzte er sich neben dem Engel auf die Wolke und nahm ihn tröstend in die Arme.
„Der Mensch, um den du trauerst, lohnt dein Mitleid nicht.“, höhnte er.
„Er war mir sein Leben lang ein treuer Diener.“
Der Engel rückte ein Stück zur Seite und wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Ich weine nicht um ihn, sondern um jene, die unter ihm zu leiden hatten.“, seufzte er.
Da blitzte im Gesicht des Teufels ein breites Grinsen auf. Er verabschiedete sich und ging zufrieden seiner Wege.
Nach Jahren trafen sie einander wieder. Der Engel tanzte auf einem Stern und lachte. „Warum bist du so fröhlich?“, fragte ihn der Teufel misstrauisch.
„Heute ist ein guter Tag.“, frohlockte der Engel.
„Der Welt wurde ein gerechter Mensch geboren, um sie eines Tages zu einem besseren Ort zu machen.“
Der Teufel warf einen neugierigen Blick auf das Neugeborene. Es lag in einer ärmlichen Behausung auf einem Bündel Stroh.
„Deine Freude wird nicht lange andauern.“, höhnte er. „Er wird wie alle Menschen meinen Versuchungen nicht widerstehen können.“
„Meine Freude gilt nicht ihm, sondern den Menschen, die das Glück haben, ihm eines Tages zu begegnen.“, antwortete der Engel.
Da lachte der Teufel laut auf und machte sich grußlos davon.
Es verging ein halbes Menschenleben, bis sie wieder aufeinandertrafen. Dieses Mal hockte der Teufel auf dem Gipfel eines eisigen Berges. Er zitterte am ganzen Körper und zog eine finstere Miene.
„Warum bist du unglücklich?“, fragte der Engel.
„Ich habe heute den Menschen sterben gesehen, der auf die Welt gekommen ist, als wir uns das letzte Mal begegnet sind.“, gab ihm der Teufel schlechtgelaunt zur Antwort.
Der Engel erinnerte sich daran.
„Was ist mit ihm geschehen?“, fragte er den Teufel.
„Er hat allen meinen Versuchungen widerstanden und ist sein Leben lang ein Gerechter geblieben.“, fluchte der Teufel.
Der Engel, der schon lange den Glauben an das Gute in der Welt verloren hatte, blickte ihn verständnislos an.
„Dann solltest du Freude fühlen, dass er dir nicht mehr im Weg steht.“, sagte er.
Der Teufel schüttelte den Kopf.
„Die Menschen, die von ihm wissen, sind von mir abgefallen. Sein Tod hat ihn für sie unsterblich gemacht.“, grollte er.
Der Engel horchte über diese Nachricht auf.
„Wie ist der Name dieses Menschen?“, wollte der Engel wissen.
„Sie nennen ihn Jesus.“, antwortete der Teufel missmutig. Mit diesen Worten sprang er auf die Füße und schritt fluchend den Berg hinab.
Der Engel aber strahlte über das ganze Gesicht. Ein Lachen tönte aus seiner Kehle, und das Herz in seiner Brust schlug vor Freude so laut in den Himmel wie das Geläut von tausend Glocken nicht.

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