Tagebuch eines Stubentigers – 81

Schattenbegegnung

Nachts schlüpfte ich aus meiner Haut
und lauerte mir im Schatten selber auf.
Argwöhnisch beäugte mich die eigene Gestalt,
der ich als Fremder gegenüber trat.

Warum kreuze ich heimlich seine Wege,
stellte er mich wütend zur Rede.
Um auf diese Weise, gestand ich ihm,
herauszufinden, wer ich wirklich bin.

Freiheitskampf

Wenn die Mächtigen sich vereinen,
damit die Freiheit siegt
in der Welt,

sie in Wahrheit meinen,
dass kein Hindernis im Weg liegt
für ihr Geld.

Falten

Verzweifelt versuchte eine Dame,
deren Schönheit anfing, zu schwinden
sich die Falten aus dem Gesicht zu schminken.

Es war der Spiegel,
der die richtigen Worte fand,
als sie mit besorgter Miene vor ihm stand.

Er sähe, tröstete er sie,
in den Falten, die sie im Gesicht trage
nur eine vorübergehende Plage.

In der Makellosigkeit des Staubes,
zu dem sie eines Tages zerfiele,
keine einzige Falte übrig bliebe.