Tagebuch eines Stubentigers – 88

Apokalyptische Reiter

Beim Blick auf die apokalyptischen Reiter,
die täglich in den Nachrichten
ihre blutigen Schneisen ziehen,
bleibt unerwähnt in den Berichten,
dass die hohen Rösser,
auf denen sie die Welt zerstören,
dem Teufel gehören.

Es ist eine Frage von Jahren,
bis der Teufel seine Gäule zurück haben will
und mit ihnen auch ihre Reiter zur Hölle fahren.
Das bleibt der einzige Trost
beim Blick auf die apokalyptischen Reiter,
die täglich in den Nachrichten
ihre blutigen Schneisen ziehen.

Präsident

Vor der Wahl sah man ihn
auf den Plakaten als Erben
von Napoleon, Rockefeller und Einstein
um jede Stimme werben.

Das Entsetzen war groß,
als er die Wahl gewonnen hatte,
dass ihn nicht die Größe
an die Spitze des Staates brachte.

Seinesgleichen hatten gelernt,
dass am größten wirkt,
wer im Licht der Scheinwerfer
den längsten Schatten wirft.

Seither sieht die Welt,
wie gefährlich die Wahl eines Zwerges ist,
dessen Größe sich in der Länge
seines Schattens misst.

Sintflut

Vor Menschengedenken entkam Noah
der Sintflut, wobei ihm unterlief
bei der Auswahl der Passagiere auf der Arche
ein verhängnisvoller Fehlgriff.

Zwischen den von Hunger und Durst
geplagten Menschen und Tieren,
entdeckte er eine gehörnte Kreatur
am Boden kauernd auf allen Vieren.

Als sich kein Wesen seiner Art fand,
um sich mit ihm zu paaren,
befahl Noah, es ins Meer zu werfen,
um Gewicht und Platz einzusparen.

Da flehte ihn die Kreatur an,
als Gnade ihr die Bitte zu gewähren,
mit ihrem unnützen Fleisch
 die geretteten Seelen zu ernähren.

Dankbar für das Opfer verteilte Noah
es an die hungrigen Mägen,
ohne zu ahnen, dass ihn der Teufel bat,
seine Saat in die Welt zu säen.